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Brauerei zur Malzmühle - Schwartz KG (Mühlen Kölsch)

Brauerei "Zur Malzmühle"

Straßen, Plätze und Häuser einer Stadt haben - ebenso wie ihre Bewohner - Biographien und Schicksale. Diese sind immer eng verbunden mit den Menschen, die hier leben. Auch der Heumarkt, der zweitgrößte Platz der Stadt Köln, macht da keine Ausnahme. Beginnen wir also da, wo in Köln so ziemlich alles beginnt, in der römischen Stadt, der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA). Zwischen dem Dom und dem südlichen Rand der römischen Stadtmauer lag zum Rhein hin das Marktviertel, die Urzelle der Altstadt. Der Heumarkt, ebenso wie der Altermarkt, war aus dem zugeschütteten Rheinarm des ehemaligen Römerhafens entstanden. Denn die heutige Altstadt war einstmals eine dem römischen Köln vorgelagerte Rheininsel. Die Anlage und Besiedelung des Platzes wurde schon zu Anfang des 2. Jahrhunderts begonnen. So konnte hier bereits zur Zeit der Karolinger (9. Jh.) ein Händlerviertel entstehen. Es entwickelten sich die zahlreichen Märkte der Altstadt. Die noch immer gebräuchlichen Straßennamen: Altermarkt, Fischmarkt, Buttermarkt, Eisenmarkt, Holzmarkt und Heumarkt lassen uns heute noch diese Epoche nachempfinden. Mit dem Handel kam auch der Wohlstand, ein idealer Nährboden für städtische Braukultur. Er war auch der Grundstein für die vielen Kölner Brauhäuser, in deren Tradition das moderne Kölsch-Bier seine Wurzeln hat.

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Der Heumarkt, Geschichte und Verkehrssituation

Am Heumarkt, überragt vom mächtigen Turm der Kirche Groß-St.-Martin, errichteten selbstbewußte Bürger ihre großzügigen Stadthäuser. Die Zerstörungen des Krieges haben uns leider nur noch wenige Exemplare dieser einst so stolzen Häuser übriggelassen, das Bierhaus "Zum St.Peter", an der Nordwestseite des Platzes (Nr.77), den Kölnern besser bekannt unter dem Namen seines langjährigen Wirtes "Zims", ist eines davon. Heute ist es ein Brauerei-Ausschank der Gilden-Brauerei aus Köln-Mülheim.

Der Kölner Heumarkt war ab dem 18. Jahrhundert auch ein wichtiger Geldhandelsplatz. Hier stand von 1727 bis 1843 das Gebäude der Kölner Börse, die dann später ins Overstolzen-Haus in die Rheingasse umzog. Die 1904 erbaute Hauptmarkthalle belebte nach der Jahrhundertwende diesen quirligen Innenstadtplatz noch mehr. Durstige Marktleute waren von jeher eine gute, trinkfeste Kundschaft für Bier- und Brauhäuser gewesen. Das zog denn auch eine ganze Reihe dieser Unternehmen an den jetzt zentralen Marktplatz.

Gegenüber dem Bierhaus "Zum St.Peter" stand bis zu ihrem Abriß für den Ausbau des Heumarktes als Endstation der rechtsrheinischen Vorortbahnen eine alte Häusergruppe, die den Straßenbahnschienen weichen mußte. Auf alten Postkarten sind diese Häuser noch gut zu sehen. Die Straßennamen Auf dem Himmelreich, Binger-, Straßburger- und Weite Gasse verschwanden damals vom Kölner Stadtplan. Doch es lohnt sich heute immer noch, über die Brauerszene zu berichten. Steht doch hier, mitten in der Altstadt, eine von Kölns letzten aktiven Hausbrauereien: das obergärige Brauhaus Zur Malzmühle der Familie Schwartz. Und direkt gegenüber, an der Nordseite des Platzes, befindet sich seit 1974 ein gemütlicher Brauerei-Ausschank der bekannten Brauerei Päffgen. Also zwei der besten Kölsch-Adressen, ein "Muß" für jeden echten Kölsch-Freund.

Leider hat die Wiederbelebung dieses früher so stolzen Areals heute noch nicht wieder seine endgültige Verwirklichung gefunden. Auf dem Platz, wo einst Goethe promenierte und über den der englische Weltreisende Coryat 1608 sagte, daß er nach dem Markusplatz in Venedig der schönste auf seiner Reise gewesen sei, bleiben nach wie vor Lücken, tote Flächen und finstere Ecken. Das Reiterdenkmal Friedrich Wilhelms III. ist nun an seinen alten Platz zurückgekehrt, und der Platz wird neu gestaltet. Die Bürger hoffen, daß nach dem Umbau der störenden Straßenbahntrasse der Heumarkt seine frühere imposante Geschlossenheit wiedererlangt. Ein Traum von einem weiträumigen, verkehrsfreien Platz, wo man an lauen Sommerabenden in Ruhe sitzen und sein Kölsch genießen kann.

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Ehemalige Bier- und Brauhäuser am Heumarkt

Vor der letzten Jahrhundertwende, als in der Mitte des großen Platzes im Jahre 1878 von den Kölner Bürgern das Reiterdenkmal des Preussenkönigs Friedrich Wilhelm III. errichtet wurde, war hier in der Nähe des Rheinufers ein absolutes Zentrum der Stadt. Am Königs-Denkmal trafen sich die kölschen Liebespaare zum Rendezvous, das kulturelle Leben der Stadt pulsierte im benachbarten Gürzenich. Auch die Brauhäuser am Platz partizipierten von diesem "Mittelpunkt-Gefühl".

Es gab in dieser Blütezeit der Kölner Brauhauskultur am Heumarkt insgesamt fünf obergärige Hausbrauereien:

  1. Die Bier- und Malzextrakt-Dampfbrauerei Hubert Koch, Heumarkt Nr.6 (die heutige BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE)
  2. Die obergärige Hausbrauerei Jakob Jansen (bis 1842), Heumarkt Nr.13
  3. Das Brauhaus "Zur Krone" (bis 1870) Heumarkt Nr.36
  4. Das Brauhaus "Zum Schloß Bensberg" (bis 1881) Heumarkt Nr.68
  5. Die Brauerei Hub. Koch jun. (bis 1883) Heumarkt Nr.69

Das ehemalige Brauhaus "Zum großen und zum kleinen Bären", Heumarkt Nr.24, war nur noch Hotel und Gaststätte. Es mußte, ebenso wie seine malerischen Nachbarn, dem Fortschritt weichen. Beim Bau der Deutzer Brücke teilte es das Schicksal vieler anderer schöner Kölner Häuser. Es wurde abgerissen. Im Umfeld der BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE (etwa in dem Viereck: Rheinuferstraße, Filzengraben, Hohe Pforte, Hohe Straße und Südseite Heumarkt) befanden sich im selben Zeitraum folgende Brauhäuser:

  1. Brauhaus "Zum Hufeisen", Turmmarkt Nr.54 /Auf dem Himmelreich
  2. Brauhaus "Zum Hahnen", Rheingasse Nr. 27
  3. Brauhaus "Zum roten Ochsen", Turmmarkt Nr.13
  4. Brauhaus "Zum wilden Mann", Turmmarkt Nr.18
  5. Brauerei "Zum alten Turm", Rheinberg Nr.5/7
  6. Brauhaus Kolter, Marienplatz Nr.24, mit einem separaten Zugang zum Mühlenbach
  7. Brauerei "Matthes an der Lähne", Mathiasstr. 22
  8. Bierbrauerei Lyskirchen, Peter Bröhl, An Lyskirchen 3
  9. Gürzenich-Bräu, Hilgers, Kl.Sandkaul 4-6
  10. Brauhaus "Auf dem Berg", Rheinberg Nr.7
  11. Brauhaus "Am Malzbüchel", Malzbüchel Nr.5/7
  12. Brauhaus "Zum Müllenstein", Mühlenbach Nr.32
  13. Brauhaus "Zum hölzernen Steg", Filzengraben Nr.59
  14. Brauhaus "Zum Sack", Straßburger Gasse

Man sieht, daß hier um die Südecke des Heumarktes herum eine extrem große Zahl von Brauhäusern existierte. Doch auch allgemein erlebte in dieser Zeit die Kölner Brauhaus-Kultur ihren Höhepunkt. Es wurde gegründet und fusioniert, daß es eine Lust war. Der Chronist und Brauer Wilhelm Scheben nennt für das Jahr 1875, insgesamt 112 aktive Brauereien in Köln. Die Zeit nach dem gewonnenen Krieg 1870/71 gegen Frankreich war aber auch besonders günstig für die Existenz von Brauhäusern. Auch die geschäftliche Entwicklung der BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE profitierte von dieser Boom-Situation.

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Die Geschichte der BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE

Um sich einen genauen Überblick über die topographische Lage, die Baulichkeiten, Besitzverhältnisse und Nutzungszweck der Grundstücke rund um das Haus Heumarkt Nr.6 zu verschaffen, empfiehlt es sich, aus der Quelle aller Kölner Geschichtsforschung zu schöpfen, den Schreinsbüchern. Deshalb zunächst eine kurze Erklärung der Schreinsbücher: Die mittelalterliche Stadt Köln, als gut durchorganisierte Handels-Metropole, verfügte über ein Kataster-System, die Schreinsbücher, die natürlich im "Hilligen Köllen" in den Pastoraten für die einzelnen Pfarrbezirke geführt wurden. Es waren dies Grund- und Hypothekenbücher, in denen Veräußerungen, Vererbungen und Belastungen aller in diesen Pfarreien befindlichen Haus- und Grundbesitzer beurkundet wurden. Jede kleine bauliche Verändereung oder der Übergang in den Besitz eines anderen, wurde über die Jahrhunderte hinweg peinlichst genau registriert, und ist so der staunenden Nachwelt erhalten geblieben. Die Eintragungen beginnen etwa um die Jahrtausendwende und reichen bis zum Jahre 1798, der endgültigen Auflösung der alten reichsstädtischen Ordnung durch Napoleon und die Französische Revolution.

Das Grundstück des Hauses Heumarkt Nr.6 lag im damaligen Marktviertel und gehörte zur ehemaligen Pfarre Klein-St.-Martin, deren Kirchturm noch heute an der KVB-Haltestelle Heumarkt zu sehen ist. Diese alte Kölner Pfarrkirche wurde 1803 geschlossen und 1823 abgerissen, um freien Raum beim Umbau des Heumarktes zu schaffen. Die Pfarre verschwand, die Schreinsbücher blieben. So können wir heute noch unsere historischen Nachforschungen in Akten von vor fast 800 Jahren beginnen.

Die heutige BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE liegt an der Südseite des Heumarktes. Dieser Teil hieß im frühen Mittelalter "Unter Flemingen", was darauf hinweist, daß hier die Flämischen Händler ihre Quartiere hatten, wenn sie in der Stadt Köln ihre Waren anboten. Um die Geschichte des Hauses Heumarkt Nr.6 zu verstehen, muß man wissen, daß im frühen Mittelalter die Stadt Köln unter der Herrschaft des Klerus und des Adels stand, bis sich nach der Schlacht von Worringen im Jahre 1288, in der die Kölner Bürger auf Seiten Johanns I. von Brabant (Jan Primus = Gambrinus) sich ihre Freiheit vom Erzbischof Siegfried von Westerburg erkämpften. Vorher (und auch später) besaßen viele Klöster und Adelige aus der Umgebung von Köln Grundbesitz und Häuser in der Stadt. So wundert es auch nicht, daß die erste Eintragung des Hauses am Heumarkt Nr.6 im Schreinsbuch der Pfarre Klein-St.-Martin aus dem Jahre 1165, das Kloster von Wesel als Eigentümer nennt. Ein gewisser Joseph bewohnte es in Leibpacht. Als nächster Pächter wird im Jahre 1200 ein Gerardus erwähnt. 1225 wird das Haus "Zum Gruwele" genannt, das dann bis zum 16. Jahrhundert in Klosterbesitz blieb. Ein Hinweis auf eine Brautätigkeit in dieser Gegend gibt es nur aus dem Jahre 1236 auf einen Nachbarn, den Ludolfus von Ossendorp, Braxator an der Clappergazzen (Brauer an der Klappergasse), dem heutigen Börsengäßchen. Der Name Börsengäßchen für den schmalen Durchgang vom Heumarkt zur Rheingasse, erinnert heute daran, daß dies der Weg zur Börse war, die sich zeitweilig ab 1820 auch im Overstolzenhaus in der Rheingasse befand. Doch schon vorher, im Jahre 1580, hatte es hier auf dem Heumarkt eine Börse gegeben, die nach dem Dreißigjährigen Krieg zwar eingestellt wurde, dann aber 1727 wiederbelebt und von 1730 an in einem Rokokogebäude inmitten des Platzes untergebracht war. 1816/17 renovierte man die Börse, nun im klassizistischen Stil, und weihte sie 1830 feierlich ein. Nachdem sich aber der Börsenbetrieb immer mehr ins Overstolzenhaus verlagerte, wurde das alte Gebäude auf dem Heumarkt 1877 im Rahmen des großen Platzumbaus abgerissen. Ob nun hin oder her, von der Rheingasse zum Heumarkt oder umgekehrt, das große Geld mußte immer durch diese kleine Gasse. Der alte Name "Klappergass" lebt heute nur noch in einem nicht ganz stubenreinen Karnevalslied fort.

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Der Heumarkt war Umschlagplatz des großen Geldes, doch auch Malzgeruch lag hier schon immer in der Luft. Hier stand die Kornwaage (1492), und das Korntor am Filzengraben weist auf die große Bedeutung des Kornhandels in dieser Gegend hin. Weizen und Gerste, die beiden Getreidesorten, bildeten das Vorprodukt für das Malz. Zwar mälzten die meisten Brauer selbst, aber gemahlen oder geschrotet, wie der Brauer sagt, wurde zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert hauptsächlich hier in der öffentlichen Malzmühle am Filzengraben. Noch heute ist die benachbarte Straße Am Malzbüchel und An der Malzmühle Zeuge dieser Vergangenheit.

Von Bier und Brauen war im Haus Heumarkt Nr.6 noch lange keine Rede. Doch auch das Gebäude hat schon seine eigene Geschichte. Betrachtet man es von oben, so sieht man noch heute, daß die Grundrisse Nr.6 bis Nr.10 an der Südseite des Heumarkts einen Block bildeten, der zum Rhein durch das Börsengäßchen und nach Westen durch einen privaten Durchgang zur Rheingasse hin getrennt war. Schon auf dem Stadtplan aus der Vogelschau von Arnold Mercator aus dem Jahre 1571 ist diese Aufteilung zu erkennen. Rechts befand sich das Haus Nr.4 "Zum Hirsch". Zwischen die beiden großen Häuser Nr.6 und Nr.10 quetschte sich das schmale Haus Nr.8. Das alte Haus Nr.6 "Zum Gruwel" wurde 1744 durch einen schön gegliederten Bau mit Freitreppe und Balkon ersetzt. Die Erbauer waren Anton Maria Mosetti und seine Frau Maria Katherine Brentano. Das Nachbarhaus "Starkenberg" (Nr.10), ein schönes Doppelgiebelhaus, diente von 1370 bis 1425 der Kaufmannsgaffel "Eisenmarkt" als Gaffel- und Versammlungshaus. Doch das Domizil der Kölner Kaufleute wanderte weiter an mehrere Plätze der Stadt, denn der Handel ging im Laufe der Jahrhunderte immer bergauf und bergab. Andere Gaffeln, wie zum Beispiel die Brauer, behielten ihre Zunfthäuser über Jahrhunderte hinweg. Das Brauer-Gaffelhaus auf der Schildergasse von 1612 wurde leider im Jahre 1928 abgerissen.

Der Einzug der Französischen Revolution in die Reichsstadt Köln brachte außer der Auflösung der alten Ordnungsstrukturen auch viel frischen Wind in das Kölner Handels- und Geschäftsleben. Die Auflösung der Zünfte und Gaffeln mit gleichzeitiger Einführung der Gewerbefreiheit kam besonders dem Handel zugute. Die Kaufleute der Stadt erkannten als erste die Zeichen der neuen Zeit und gründeten ein Kölner Kaufmannskolleg zur Förderung des Handels in der Stadt. Dieses Kolleg bezog im Haus Heumarkt Nr.6 sein erstes Quartier und blieb dort bis zum Jahre 1803.

Nach dem Abzug der Franzosen (1814) bekam die Stadt Köln nochmals einen Initialschub. Man kaufte Immobilien und gründete Firmen in nie gekannter Zahl. Preussenkönig Wilhelm III. übernahm die Rheinlande. Die Preussen, die nun das Regiment am Rhein führten, brachten in dieses "Kölsche Gemölsch" Organisation und Ordnung. Wirtschaftliche und ideelle Initiativen gab es allerorts: Goethe sprach sich für die Vollendung des Kölner Doms aus (1815), das erste Dampfschiff fuhr auf dem Rhein (1816), Johann Peter Bachem gründete seinen Verlag (1818), Felten & Guillaume entstand, auf dem Heumarkt wurde die neue Börse eröffnet (1820), die Schiffsbrücke über den Rhein wurde in Betrieb genommen und Köln zählte 56 000 Einwohner (1822). Der englische Maler William Turner malte seine berühmten Kölnbilder (1826), der Stadtgarten wurde angelegt (1827), das Gymnasium Kreuzgasse öffnete seine Pforten (1828). Es herrschte ein stürmisches Gefühl der Freiheit und des Unternehmergeistes. Auch bieten große gesellschaftliche Umbruchperioden gewaltige finanzielle Chancen. Das galt schon immer, einst wie heute.

 

Der Begründer der heutigen BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE, Hubert Koch, war so ein Mann von Innovations- und Unternehmergeist. In diesem Klima des allgemeinen Aufbruchs war er mit dabei. Im Jahre 1818 erwarb er das Haus am Heumarkt Nr.6 und im Jahre 1858 gründet er hier die Bier- und Malzextrakt-Dampfbrauerei Hubert Koch, Cöln, Heumarkt Nr.6. Gleichzeitig betrieb er noch von 1859 bis 1863 das bekannte "Stubenbrauhaus" in der Follerstr.90, ein altes Kölner Traditions-Brauhaus, nur 5 Minuten zu Fuß vom Heumarkt entfernt. Diese Doppelbelastung schien ihm aber nicht bekommen zu sein, denn von 1867 bis 1869 gab er die Brauerei an August Weiler ab, um sie dann 1869 wieder zu übernehmen. Doch dann legte er richtig los, wie eine Zeitungsannonce aus dem Jahre 1870 eindrucksvoll beweist:

Malz-Extract -

In Folge der mir von Herrn Hoff vorgeworfenen Beschuldigung, daß ich am hiesigen Platze mit meinem Frabricate Unwesen triebe, habe ich den Herrn Hoff durch diese Zeitung öffentlich aufgefordert, sein Fabricat gegenüber dem meinigen einer Analyse zu unterziehen und mich zugleich erboten, in dem Falle, daß das Hoff'sche Fabricat als das bessere befunden würde, 100 Thl. zu wohlthätigen Zwecken zu geben, welcher Betrag aber vor der Analyse deponiert und mir das Verfügungsrecht darüber entzogen bleiben sollte, falls das Hoff'sche Fabricat obsiegte. Wiewohl Herr Hoff von dieser Aufforderung Kenntniß erhalten hat, so daß derselbe Unwissenheit nicht vorschützen vermag, ist er dennoch auf die proponierte Analyse nicht eingegangen, sondern hat es weislich für besser erachtet, zu schweigen, ja, zu schweigen, um der Gefahr zu entgehen, daß das Treiben seines langjährig, vielseitig gekrönten Schwindels dem Publicum dadurch vollständig entdeckt werde. Um nun dem verehrten Publicum von der Wahrheit meiner bisherigen Behauptungen bezug des Hoff'schen Schmier-Fabricates, zugleich aber auch von der Unverfälschtheit meines Malz-Gesundheitsbieres volle Überzeugung zu verschaffen, habe ich den Director eines chemischen Laboratoriums, Herrn Dr. Theobald Werner zu Breslau, um Analyse meines Fabricates ersucht, und beehre ich mich das Resultat derselben mit dem ergebensten Hinweis auf die in dieser Zeitung Nr.72 vom 13. dieses Monats im II. Blatte enthaltene Kritik des Herrn Dr. Carl Ruß in New-York über die Präparatien des Hoff'schen Malz-Extractes, welche in Bezug auf die chemische Untersuchung also lautet: "Das Resultat der Untersuchung war genau in Zahlen ausgedrückt folgendes: 100tel Theil des Hoff'schen Malz-Extract enthielt: Spiritus 30 Theile, Extractstoffe, wie Malzzucker, Malzgummi und dergl. nur 46 Theile, bitteres Extract nebst Farbstoff aus der Faulbaumrinde 7 Theile, und Wasser nebst Kohlensäure 917 Theile".

Referat über den Befund meines Malz-Extractes

Breslau, 15.März 1870 Seitdem der große und verdienstvolle Liebig darauf hingewiesen hat, wie außerordentlich nahrhaft die Malzpräparate sind, hat sich das Malz in seinen verschiedenen Präparaten als Nahrungs-Extract seit einigen Jahren außerordentlich gemißbraucht, indem man unter diesem Namen mit Stärkesyrup und Abkochungen von Wurzeln und Rinden versetzte Biere, begleitet von vielen Reclamen, in den Handel brachte. Es konnte mir als Schüler und Verehrer unseres großen Liebig nur angenehm sein, von Herrn Malz-Extract-Fabricant Hubert Koch in Köln die Aufforderung zu erhalten, das von ihm bereitete Malz-Extract Behufs Constatierung seines Werthes chemisch zu untersuchen. Schon dadurch, daß Herr Koch die Untersuchung seines Extractes selbst wünscht, beweist deutlich, daß ihm an der Constatierung des reellen Werthes seines Malz-Extractes liegt.

Der außerordentlich hohe Gehalt an Extractstoffen, die fast abnormal reiche Menge an Nährstoffen und das richtige Verhältnis derselben zu einander berechtigen mich dieses Präparat als ein Stärkungsmittel für Schwache und Leidende zu bezeichnen. Es verdient dieses Präparat mit vollem Recht das Prädicat "Vorzüglich", und kann ich dasselbe mit gutem Gewissen als ein ohne jede fremde Beimischung rationell bereitetes, an Extractstoffen sehr reichhaltiges Malz-Extract bezeichnen.

Der Director des polytechnischen Instituts und chemischen Laboratoriums Dr. Theobald Werner


Der Unterzeichnete beehrt sich nach dem vorstehenden (ohne weitere Anpreisung seines Fabricats) das verehrte Publicum um geneigte Abnahme seines Malz-Gesundheitsbieres, ein stärkendes Mittel für Schwache und Leidende, unter Anführung des Sprichwortes: "Erst geprüft und dann gewählt" ganz ergebenst zu ersuchen. Preis: a Anker ohne Faß 5 Thlr., á Flasche ohne Flasche 3 Silbergroschen.

Hubert Koch Bierbrauerei-Besitzer und Malz-Extract-Fabricant, Heumarkt 6, Köln

Das war auch nach unserem heutigen Marketingverständnis schon eine reife Leistung: das eigene Produkt in den Vordergrund stellen und gleichzeitig die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Dies alles mit stichhaltigen, wissenschaftlich fundierten Argumenten renommierter Fachleute, das konnte man damals nicht besser machen. Nach unseren heutigen Wettbewerbsregeln ist vergleichende Werbung verboten, aber zur damaligen Zeit nahm man es noch nicht so genau. Hubert Koch, Begründer der BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE, war ein Unternehmer, der auch in der heutigen Zeit Erfolg gehabt hätte, denn er besaß alle Tugenden eines modernen Geschäftsmannes: Kreativität, Gespür für den Markt und Standfestigkeit.

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Hubert Koch war insgesamt dreiundvierzig Jahre im Braugewerbe tätig. Er konsolidierte die Brauerei und gab sie im Jahre1901 an seinen Sohn Jakob Koch weiter. Dieser führt das Unternehmen ebenfalls sehr erfolgreich bis 1912 und ließ sich das Rezept für das mittlerweile sehr populär gewordene Koch'sche Malzbier patentieren, eine sehr kluge Maßnahme. Doch auch das Brauhaus am Heumarkt Nr.6 wurde zum beliebten Treffpunkt der Kölner Bürger, besonders der gutsituierten Markthändler der benachbarten Großmarkthalle. Von Jakob Koch erwarb im Jahre 1912 der Brauer Gottfried Joseph Schwartz, Urahn der heutigen Besitzerfamilie, die Brauerei am Heumarkt Nr.6. Er hatte vorher, von 1904 bis 1912, bereits das Traditionsbrauhaus "Unter Taschenmacher", heute Brauhaus Sion, besessen, welches damals noch Dom-Brauerei hieß. Gottfried Joseph Schwartz führte nun ab 1912 mit Erfolg und Können die Brauerei am Heumarkt Nr.6, die er "BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE" nannte, durch die schwere Zeit des 1.Weltkriegs und der nachfolgenden turbulenten Nachkriegszeiten bis zum Jahre 1922.

Die Zeit nach dem 1.Weltkrieg war für alle Kölner Brauer ungeheuer schwierig. Der Rohstoffmangel aufgrund von Reparationskosten, Währungsverfall und politische Unruhen ließ die gesamte Wirtschaft des Rheinlandes auf den Nullpunkt sinken. Aus diesem Zeitraum ist uns ein Situationsbericht des Kölner Journalisten Lambert Macherey erhalten, der die allgemeine Lage in der Gastronomie so beschreibt:

Die Kölner Hausbrauereien hatten in den 70er und 80er Jahren, als auswärtige Biere wie Dortmunder, Münchner und Pilsner sich immer mehr in Köln einnisteten und vornehmlich in den neu erstandenen großen Bier- und Kaffeehäusern Eingang fanden, einen harten Kampf zu bestehen, bei denen viele dieser kleinen "Heimbräues" das Zeitliche segnen mußten, so daß heute nicht ein Viertel derselben im Vergleich zur Mitte des vorigen Jahrhunderts besteht. Einzelne dieser früheren Hausbrauereien haben sich im Laufe der Zeit zu Großbrauereien ersten Ranges entwickelt, die neben einem echten Glas Kölsch Obergärung oder Lager auch dunkle Biere und Deutsch-Pilsner auf den Markt gebracht haben, die erfolgreich den Wettbewerb mit den Erzeugnissen ähnlicher Art aufgenommen haben. Einen harten Stoß erlitt das Kölner obergärige Bier in den Kriegsjahren infolge der Herabsetzung des Alkoholgehalts auf 2%, so daß der Biergenuß schließlich nahezu völlig einschlief; ein solches "Wassergebräu" war zu schlecht, als daß man es einem Esel ins Ohr goß, wie der Volksmund sich treffend ausdrückte.

So erschien denn in allen Kölner Wirtschaften statt des "Bier-Zylinders" immer mehr der Pokal Wein auf dem Tisch, bis endlich im Frühjahr 1921 wieder "Friedensbier" (12-13%) gebraut und damit die "Trinklage" mit einem Schlage wieder von Grund auf geändert wurde. Die Weinpokale verschwanden immer mehr, zumal die sündhaft hohen Preise für guten Rebensaft für den gewöhnlichen Sterblichen nicht erschwinglich waren. Die Hausbrauereien füllten sich wieder, und das alte gemütliche Leben stellte sich in diesen beliebten Kneipen erneut ein, wenn man auch den Valutapreis von 1 Mark bis 1.20 Mark für ein Viertelliterglas "latzen" mußte und den "Halven Hahn" erst für 3 Mark erwerben konnte; aber - sie waren wieder da! Auch über die einzelnen Kölner Brauhäuser berichtet der Chronist dieser Zeit sehr detailliert und mit profunden "Insider"-Kenntnissen. Von ihm wissen wir heute viele Einzelheiten, die sehr wahrscheinlich sonst verloren oder vergessen worden wären. Dafür sei ihm an dieser Stelle einmal ausdrücklich gedankt.

Die BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE beschrieb Lambert Macherey im Jahre 1921 folgendermaßen:

Eine besondere Eigenart weist das Brauhaus Zur Malzmühle am Heumarkt 6, Besitzer Gottfried Jos. Schwartz auf, der diese Gambrinusstätte mit dem schönen Giebel 1912 von dem Vorbesitzer Jakob Koch erworben hat, dessen gleichnamiger Vater das Haus 1858 erworben und bis in die 80er Jahre hinein geführt hatte. Ursprünglich war das Haus im frühen Mittelalter ein Klosterhof der Abtei Wesel, verbunden mit einer Hausbrauerei; später war es ein Patrizierhaus "Im Gruve". Wegen seiner historischen Bauart und prachtvollen Stuckdecke im hinteren Saal untersteht das Haus der Obhut des Provinzialvereins für Denkmal- und Heimatschutz. Neben dem echt obergärigen hellen Kölsch stellt die Brauerei nach einem besonders geschützten Verfahren "Koch'sches Malzextrakt-Bier" her, das besonders von ärztlicher Seite hoffenden und stillenden Frauen sowie Blutarmen als wertvolles Nähr- und Kräftigungsmittel empfohlen wird. Das Koch'sche Malzextrakt hat sich seit Jahrzehnten einen Ruf weit über Kölns Weichbild hinaus erworben.

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Die Zerstörung im 2.Weltkrieg und der Wiederaufbau

Nach dem Tode von Gottfried Josef Schwartz übernahm seine Witwe, Margaretha Schwartz, geb. Dimig, die Leitung der Brauerei. Zehn Jahre lang, bis 1932, führte sie mit starker Hand die Geschicke der BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE. Damals amtierte der spätere deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer als Oberbürgermeister der Stadt Köln und führte die sie auf vielen Gebieten an die Spitze der damaligen Deutschen Republik und damit zu Wohlstand und geordneten Verhältnissen für die Bürger. Köln erlebte noch einmal eine gute Zeit, ehe das Chaos des 2.Weltkrieges begann, welches der Stadt die fast totale Zerstörung und das gesamte deutsche Volk in Not und Elend brachte.

Im Jahre 1932 übernahm Hubert Josef Schwartz, nun bereits die zweite Schwartz-Generation, die BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE. Er leitete sie bis zu seinem Tode im Jahre 1944. Seine Witwe, Sybille Schwartz, geb. Bendheuer, hatte nun die Aufgabe, in der schwersten Zeit, die das Unternehmen zu meistern hatte, die Zügel in die Hand zu nehmen und die Brauerei zu leiten. Krieg, Zerstörung und Chaos waren zu bewältigen. Viele andere Kölner Brauereien sind in dieser Zeit gescheitert. Sybille Schwartz gelang es, den Betrieb zu retten und nach dem Kriege wieder die Produktion zu starten. Auch der Wiederaufbau des Brauhauses begann, denn im 2.Weltkrieg wurde das schöne alte Gebäude aus dem Jahre 1744 völlig zerstört. Nur das Portal mit der Jahreszahl blieb erhalten. Bis zum Ende des Krieges wurde es in Unkel ausgelagert und später in alter Form in das neue Haus integriert. Als erstes wurde 1948 die Brauerei wieder instand gesetzt und zu Pfingsten 1952 war auch das Vorderhaus mit dem Brauereiausschank wieder in Funktion, wenn auch nur mit zwei Stockwerken. Heute schmückt das Portal des im Kriege zerstörten Brauhauses wieder den Eingang zum Brauhaus am Heumarkt Nr.6 und ist ein nicht zu übersehendes Wahrzeichen für den Neubeginn nach der Stunde Null im Jahre 1945.

Doch das Leben ging weiter. Im Jahre 1958 übernahm dann die dritte Generation der Familie Schwartz, Theodor Josef Schwartz, die Leitung der Brauerei. Er führte den begonnenen Wiederaufbau zügig weiter fort. Im Jahre 1958, zehn Jahre nach Einführung der D-Mark und der Wiedergewinnung der Geldstabilität, feierte die BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE in bescheidenem Rahmen ihr 100-jähriges Bestehen. In den ersten Nachkriegsjahren, als der allgemeine Konsum langsam wieder anlief, mußte sich das heutige Nationalgetränk Kölsch seinen Platz unter den anderen deutschen Bieren erst wieder erkämpfen, was den Kölner Brauern dann auch eindrucksvoll gelang.

Leider machte ein tragischer Unfall im Jahre 1960 dem Leben von Theodor Josef Schwartz ein Ende. Er hinterließ seine Frau Anneliese Schwartz mit drei Söhnen. Anneliese Schwartz nahm die schwere Bürde der Brauereiführung auf sich. Mit Hilfe ihres Betriebsleiters, Herrn Rolf Klug, begann sie, die BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE nach und nach zu dem zu machen, was sie heute ist, ein gesundes mittelständisches Unternehmen, mit gutem Ruf weit über Köln hinaus. Das Wirtschaftswunder und der Durst der Kölner ließen das Brauhaus rasch wieder das werden, was es schon in der Vorkriegszeit immer war, der Treffpunkt für jung und alt, arm und reich: die klassenlose Kölsche Brauhausgesellschaft. 1972 wurde die Brauerei dann in eine Kommandit-Gesellschaft (KG) umgewandelt, in der nun auch die vierte Generation der Familie Schwartz, die drei Söhne Heinrich Josef, Theodor und Detlev Schwartz Aufgaben im Betrieb und Außendienst übernahmen um so die Tradition der Familie Schwartz auch in Zukunft fortzuführen.

Am 2. Oktober 1995 starb die Chefin Anneliese Schwartz nach langer, schwerer Krankheit. Sie hinterließ ein vorbildlich geführtes, erfolgreiches Unternehmen. Ihr Sohn Josef Schwartz übernahm, unterstützt von den Brüdern Theodor und Detlev, die Leitung der Brauerei. Heute umfaßt die erweiterte BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE die ehemaligen Häuser Heumarkt Nr.6-10. Neben dem ab 1948 wiederaufgebauten Brauhaus und der Brauerei ist in den letzten Jahren eine Braustätte auf neuestem technischen Stand eingerichtet worden, die nun auf traditionelle Brauweise das beliebte Produkt Mühlen Kölsch herstellt. Das Haus Nr.10, ehemals das Gaffelhaus "Eisenmarkt", beherbergt jetzt moderne Brau- und Abfüllanlagen, während tief unten in den alten Kellern neue Edelstahltanks das Mühlen Kölsch reifen lassen. Im gemütlichen Brauereiausschank am Heumarkt bringen die Köbesse im traditionellen blauen Wams die vollen Kölschkränze und alle Spezialitäten, welche die "Kölsche Fooderkaat" zu bieten hat, an die weißgescheuerten Brauhaustische.

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Die alte historische Malzmühle am Mühlenbach

Die Fabrikation des Malzes betrachtete jeder zünftige Brauer als zu seinem Handwerk gehörend. Das Braumalz war ein bedeutender Handelsartikel im alten Köln, da die meisten auswärtigen Brauer wie auch die Bürger, die sich ihren Haustrunk selber brauten, ihr Malz bei einem zünftigen Brauer kaufen mußten. Daher war das Interesse der Kölner Brauer und des Rates der Stadt groß, eine eigene unabhängige Malzmühle zu besitzen. Also beschloß man, eine solche im Stadtgebiet anzulegen. Das beste Zeugnis über die alte Malzmühle kann wohl der Mann ablegen, auf dessen Initiative hin diese für die Kölner Brauer errichtet wurde, der Chronist Hermann von Weinsberg: Anno 1572 gegen den Monat Juli ist die Wassermühle im Filzengraben angefangen worden zu bauen, und Herr Philipp Gail und Herr Gerhard Pilgram, zur Zeit Rentmeister, fingen sie frei an zu bauen. Ich habe es im Rat besonders betrieben, daß es ins Werk gesetzt wurde; denn man kann den Bach, der sehr nutzlos durch die Stadt fließt, wenn die Mühle nicht zu einer Malzmühle geeignet sein sollte, jederzeit eine Walk-, Schleif-, Papier-, Öl- oder eine andere Mühle daraus machen.

Doch die Mühle war zu keiner Zeit problemlos gewesen. Der geringe Wasserstand erforderte eine größere Wasserzufuhr aus den Teichen des nahen Vorgebirges. Das war teuer und außerdem sehr zeitraubend. Denn die Zufuhren mußten auch außerhalb der Stadtmauer militärisch und technisch gesichert werden. Zudem beklagten sich andere Handwerke (vor allem die benachbarten Gerber und Färber) über zu geringe Wassermengen-Kontingente. Schließlich kosteten die gesamten Wasserrechte für die Mühle über 100 000 Taler. Trotzdem beklagten sich die Brauer ständig wegen zu geringer Mühlenkapazität. Es kam zu Verzögerungen beim Mahlen und Raufereien unter den Brauknechten waren an der Tagesordnung. Langwierige Prozesse über Jahrhunderte hinweg waren Begleitumstände der Idee des Herrn Weinsberg. Auch die Reinigung der Wasserzufuhr und die Instandhaltung des Mahlwerks durch die Brauer waren ständige Streitpunkte zwischen Brauern und dem Rat der Stadt. Auch die Zunftbestimmungen bei der Arbeit in der Mühle waren streng: Auf die Ware gut aufpassen, immer bei den Säcken bleiben, kein Glücksspiel in der Mühlenstube, alle wieder mit zurückbringen - bei Übertretung war ein Goldgulden Strafe fällig, ein riesiger Betrag für einen Brauknecht in der damaligen Zeit. Der Chronist Wilhelm Scheben, dem wir heute so viel Wissenswertes und Interessantes aus der Geschichte der Kölner Brauer verdanken, schreibt über die ehemalige Malzmühle am Bach: Die alte Kölner Malzmühle lag im Filzengraben und zwar in der Mitte desjenigen Straßen-Terrains, das zwischen der Mündung des Malzbüchels in den Filzengraben und der Mathiasstraße in die Bachstraße (Mühlenbach) liegt, und sie teilte auf diese Weise die Mühlenbachstraße bei ihrer Einmündung in den Filzengraben in zwei Arme. Das Wasser des Duffesbachs wurde von der Hohen Pforte heran oberirdisch in hölzernen "Kallen" (Rinnen) zugeführt, wodurch sich auf dieser Strecke eine eigene Industrie, die der Korbmacher, entwickelte. Das Wasser gelangte dann hinter der Mühle bis zum unteren Teil des Filzengrabens oberirdisch, zum Rheinufer hin unterirdisch in den Rhein.

Die alte Malzmühle wurde 1572 von der Stadt Köln errichtet und blieb dann auch bis zum 28. November 1813 in deren Besitz. An diesem Tag wurde sie aufgrund eines Dekrets von Napoleon I., demzufolge 1/3 aller Gemeindegüter zugunsten der französischen Staatskasse verkauft werden sollten, öffentlich versteigert. Die Güterhändler Joh. Jos. Boismard und Heinr. Gründgens kauften die alte Mühle an und verkauften sie später an die Weinhändler Gebr. Jac. und Jos. Haan weiter. Im Jahre 1853 trat die Stadt Köln mit letzteren zwecks Abriß der Mühle in Verhandlung. Sie erwarb die Mühle schließlich für 10 000 Taler und entfernte sie anschließend. So endete der ehrgeizige Plan von einer unabhängigen, eigenen Malzmühle, der von kühnen Geistern erdacht und realisiert worden war, am wirtschaftlichen und technischen Fortschritt. Was einst vom Ratsherren und Bierbrauer Hermann von Weinsberg geplant und erbaut worden war, fiel dem Straßenbau und der Stadtsanierung des beginnenden technischen Zeitalters zum Opfer. Die städtische Malzmühle lebt heute trotzdem im Namen der traditionsreichen BRAUEREI ZUR MALZMÜHLE weiter.

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Die Stadterneuerung um 1900

Die Geschichte des Heumarktes unzertrennlich mit der allgemeinen Geschichte der anderen Kölner Märkte verbunden, wobei hier nur die Märkte für den täglichen Gebrauch an Nahrungsmitteln gemeint sind. Ursprünglich war seit dem Mittelalter der Altermarkt der traditionelle Platz, wo die Kölner ihren Bedarf an Lebensmitteln deckten. Das berühmte Bild von Toussyn um das Jahr 1650 liefert hierfür den besten Beweis. Aber auch die restlichen Märkte an St.Aposteln und am Waidmarkt hatten bis Mitte des 19.Jahrhunderts regen Zulauf. Doch mit der steigenden Einwohnerzahl wuchs auch der Bedarf an zusätzlichen Wochenmärkten. Ab 1861 wurden an St.Gereon, am Kuniberts Kloster und im Severinsviertel "An der Eiche" neue Märkte eingerichtet. Doch auch das reichte dann nicht mehr aus, um die hungrigen Münder der wachsenden Stadt zu füttern. Im Jahre 1886 wurde auf der Severinstraße Nr.253 (in Höhe des heutigen Polizeipräsidiums) die erste völlig überdachte Kölner Großmarkthalle gebaut. Auf einer Fläche von 1500 qm boten in 36 Ständen Metzger, Obst- und Gemüsehändler ihre Waren an. 1904 veranlaßte das weitere Anwachsen der Bevölkerung schließlich die Stadt Köln eine neue zentrale Großmarkthalle zu errichten. Hier sollten nach dem Vorbild anderer deutscher Großstädte eine zentrale Versorgung mit allen Nahrungsmitteln geschaffen

Am Heumarkt begann 1904 eine Umbauphase von großem Ausmaß. Das gesamte Viertel im Südosten zwischen der heutigen Brückenrampe der Deutzer Brücke und der Rheingasse wurde abgerissen, alte Straßennamen wie Auf der Aar, Straßburger-, Kuh-, Kloben- und Pelzergasse, Himmelreich und Paradies fielen der Spitzhacke zum Opfer. Die neue Großmarkthalle hatte Verkehrsanbindung an die Rheinuferbahn, die Menschen und Waren aus dem Vorgebirge und den Vororten ins Zentrum brachte. Nun kamen auch die "Vorgebirgs-Buure" ins Zentrum und frequentierten die Brauhäuser am Heumarkt. Auch das Brauhaus Zur Malzmühle begann schon damals, sich einen Namen im Kölner Umland zu machen. Die Markthalle wurde im letzten Kriege zerstört und dann durch die Großmarkthalle an der Bonner Straße ersetzt. An der Stelle der alten Markthalle steht heute das Hotel Maritim.

Die Einführung der elektrischen Straßenbahn im Jahre 1901 band nach und nach immer mehr Vororte an die Innenstadt an, die Neubürger aus den Industriequartieren strömten in die Stadt. Der Bau der Deutzer Hängebrücke machte den Heumarkt endgültig zum Verkehrsknotenpunkt erster Ordnung. Der gesamte rechtsrheinische Straßenbahnverkehr endete jetzt am Heumarkt. Die Wartezeit auf die Straßenbahn hat sich wohl so mancher durch ein bis zwei Glas Kölsch verkürzt, vielleicht ist auch die eine oder andere Bahn verpaßt worden. Heute, im Zeitalter des Automobils und der Alkoholteste ist die praktische Nähe einer Straßenbahnhaltestelle wieder zu einem echten Argument für den verantwortungsbewußten Kölschfreund geworden. (FM)

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